Interview: natuREnovation - Wenn Gebäude wieder atmen dürfen
natuREnovation ist ein interdisziplinäres Innovationsnetzwerk, das ökologische, langlebige und kreislauffähige Sanierungslösungen für Gründerzeithäuser (GZH) entwickelt. Ausgangspunkt ist der hohe Sanierungsbedarf dieser historischen Gebäude, die rund ein Fünftel des österreichischen Wohnungsbestands ausmachen und aufgrund ihrer Bauweise sowie des erhaltenswerten Erscheinungsbilds besondere Anforderungen stellen. Das Projekt reagiert auf den dringenden Bedarf, die Sanierungsrate von derzeit etwa 1 % auf 3 % zu erhöhen, um die Klimaziele zu erreichen.
Alois und Johannes Hirschmugl von der Hirschmugl KG bringen jahrzehntelange Erfahrung mit Naturbaustoffen wie Kalk, Lehm, Stroh und Schafwolle in das Innovationsnetzwerk ein. Ihre klare Botschaft: Alte Gebäude – insbesondere die klassischen österreichischen Gründerzeithäuser – dürfen nicht gegen ihre Geschichte saniert werden.
Die Kernpunkte des Interviews:
Feuchtigkeit als Freund, nicht als Feind: Massive Ziegelbauten der Gründerzeit brauchen diffusionsoffene Materialien (wie Kalk und Lehm), um atmen zu können. Werden sie zu dicht eingepackt, leidet das Gebäude.
Zeit als Qualitätsfaktor: Eine längere und durchdachtere Planungsphase spart bei der Sanierung nicht nur Nerven, sondern am Ende auch bares Geld und Leerstandzeiten.
Kreislaufwirtschaft in der Praxis: Strohplatten, Holz und Lehm können oft vollständig rückgebaut und wiederverwendet werden – ein Konzept für die Ewigkeit, das wieder stärker in den Fokus rücken muss.
Rückkehr zur Regionalität: Das alte Wissen, mit den Materialien zu bauen, die vor Ort verfügbar sind, ist heute angesichts globaler Lieferketten relevanter denn je.