Serielle Sanierung, Taxonomiefähigkeit und Holzbau im Fokus

Beim BAUZ! Workshop standen zentrale Zukunftsfragen der Gebäudesanierung im Mittelpunkt:

  • Wie können serielle Sanierungslösungen mit Holz weiterentwickelt werden?
  • Welche Anforderungen stellt die EU-Taxonomie an Sanierungsprojekte?
  • Und welche Planungswerkzeuge braucht es, damit Holzbau und serielle Sanierung in der Praxis besser umgesetzt werden können?

Der Workshop wurde von Dieter Lechner vom Fachverband der Holzindustrie und Susanne Formanek von RENOWAVE.AT eröffnet. Anschließend gaben Beiträge aus den Projekten CIRCON und SeRenoWood sowie ein Input der Holzforschung Austria Einblicke in aktuelle Forschung, Werkzeuge und offene Fragen rund um Taxonomiefähigkeit, Zirkularität, Gebäudetypologien und Schnittstellen im Holzbau.

CIRCON: Taxonomiefähigkeit serieller Sanierung

Im Projekt CIRCON wurde untersucht, wie Sanierungsprojekte taxonomiekonform geplant und umgesetzt werden können. Anhand von fünf Referenzgebäuden werden Sanierungskonzepte entwickelt, die die Anforderungen der EU-Taxonomie berücksichtigen.

Ein Schwerpunkt lag auf serieller Sanierung mit Holz sowie unterschiedlichen Fassaden- und Dämmvarianten. Dabei wurde deutlich, dass Lebensdauer, Rückbaubarkeit und Trennbarkeit der Materialien zentrale Kriterien sind. Während konventionelle Systeme oft schwer zu zerlegen sind, bieten weiterentwickelte Lösungen mit mechanisch lösbaren Verbindungen neue Perspektiven.

Auch die Bewertung von Zirkularität wurde diskutiert. Vorgefertigte Systeme schneiden dabei tendenziell besser ab als klassische WDVS-Lösungen. Gleichzeitig zeigte sich, dass einheitlichere Bewertungsstandards notwendig sind, um Gebäude und Sanierungsvarianten besser vergleichen zu können.

SeRenoWood: Serielle Sanierung mit Holz

Im Projekt SeRenoWood wurde gezeigt, wie serielle Sanierung mit Holz systematisch weiterentwickelt werden kann. Vorgestellt wurden ein Bewertungstool, die Analyse und Typologisierung des österreichischen Gebäudebestands sowie Gebäudesteckbriefe und Pflichtenhefte für unterschiedliche Archetypen und Gebäudeklassen.

Das Bewertungstool unterstützt dabei, Sanierungsoptionen strukturiert zu betrachten, Gebäudedaten einzugeben und Kriterien zu gewichten. In der Diskussion wurde außerdem thematisiert, wie serielle Ansätze auch für Einfamilienhäuser weitergedacht werden können — etwa über modulare Baukastensysteme für regionale Holzbaubetriebe.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Wirtschaftlichkeit abgebildet werden kann. Dabei wurde deutlich, dass Kosten zwar für Vergleichbarkeit und Finanzierung wichtig sind, aufgrund ihrer Dynamik aber flexibel und nachvollziehbar ausgewiesen werden sollten.

Neue Planungswerkzeuge für den Holzbau

Sylvia Polleres von der Holzforschung Austria stellte neue Planungswerkzeuge für den Holzbau vor. Im Mittelpunkt standen ein Leitfaden für Gewerke-Schnittstellen im Holzhochbau sowie eine Richtlinie für zurückspringende Geschoße beziehungsweise Staffelgeschoße. Thematisiert wurden unter anderem Lösungsansätze für begehbare Flachdächer und Sockelanschlüsse.

Ein zentrales Fazit: Holzbau und serielle Sanierung brauchen eine frühzeitige, integrale Planung. Details müssen rechtzeitig geklärt, Verantwortlichkeiten eindeutig zugeordnet und Schnittstellen sauber definiert werden. Gerade dort, wo Zuständigkeiten unklar bleiben, entstehen in der Umsetzung häufig Probleme. Mock-ups, klare Kommunikation und ein gemeinsames Verständnis der Gewerke wurden als wichtige Erfolgsfaktoren hervorgehoben.

Auch die mögliche Integration serieller Sanierungslösungen in Plattformen wie dataholz wurde angesprochen.

Wichtige Erkenntnisse aus Diskussion und Fragen

Die Bewertung von Zirkularität, Lebensdauer und Rückbaubarkeit wird für Sanierungsprojekte immer wichtiger. Gleichzeitig braucht es einheitlichere Standards, damit Gebäude und Systeme vergleichbar werden.

Mechanisch lösbare Verbindungen und gut trennbare Konstruktionen gewinnen an Bedeutung, weil sie Rückbau, Wiederverwendung und Kreislauffähigkeit erleichtern.

Serielle Sanierung braucht nicht nur technische Lösungen, sondern auch praxistaugliche Werkzeuge: Bewertungstools, Gebäudetypologien, Pflichtenhefte, Datenstandards und Schnittstellenleitfäden.

Kosten und Wirtschaftlichkeit müssen mitgedacht werden, sollten aber aufgrund ihrer hohen Dynamik flexibel und nachvollziehbar abgebildet werden.

Datenplattformen wie dataholz, baubook oder Madaster sowie Gebäuderessourcenpässe und BIM-Modelle spielen künftig eine wichtige Rolle, wenn Sanierungsentscheidungen besser dokumentiert, bewertet und finanziert werden sollen.

Fazit

Der Workshop machte deutlich: Serielle Sanierung mit Holz ist ein wichtiger Baustein für einen klimafitten Gebäudebestand. Damit sie in der Breite wirksam werden kann, braucht es neben innovativen technischen Lösungen auch klare Standards, gute Daten, praxistaugliche Werkzeuge und den kontinuierlichen Austausch zwischen Forschung und Umsetzung. Genau dieser gemeinsame Dialog stand beim BAUZ! im Mittelpunkt — und wird auch in den Projekten SeRenoWood und CIRCON weitergeführt.

Präsentationsfolien zum Download

Die Präsentationsunterlagen des Workshops stehen hier gesammelt zur Verfügung:

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