EPBD-Umsetzung, Gebäudesanierung und Dateninfrastruktur im Fokus

Am 12. und 13. Mai 2026 war RENOWAVE.AT in Brüssel bei zwei zentralen Veranstaltungen zur Umsetzung der neuen EU-Gebäuderichtlinie vertreten: „Voices of Change – Success stories shaping Europe’s buildings“ und „Supporting EPBD implementation – Practical solutions developed by EU-funded initiatives“. Beide Veranstaltungen fanden im Charlemagne-Gebäude der Europäischen Kommission statt und widmeten sich der Frage, wie die neue EPBD von der politischen Zielsetzung in die konkrete Umsetzung gebracht werden kann.

Für Österreich waren unter anderem Susanne Geissler, Lukas Kranzl und Susanne Formanek / RENOWAVE.AT vor Ort eingebunden. RENOWAVE.AT brachte insbesondere die Perspektive der Innovationslabore, der seriellen Sanierung, der Quartierssanierung und der österreichischen Umsetzungsherausforderungen ein.

Zwei Tage, zwei Schwerpunkte

Der erste Veranstaltungstag stand unter dem Titel „Voices of Change“. Im Mittelpunkt standen europäische Erfolgsgeschichten, politische Dialoge und praktische Beispiele aus den Mitgliedstaaten — darunter der „Renovation Sprint“ aus Deutschland, Sanierungserfahrungen bis zum Nullemissionsstandard, One-Stop-Shops sowie Wettbewerbe zur Sichtbarmachung guter Sanierungen.

Susanne Formanek präsentierte den österreichischen Beitrag „From Innovation to Implementation“ und zeigte, wie Innovationslabore zur Umsetzung der Sanierungswende beitragen können.

Der zweite Tag fokussierte auf konkrete Instrumente zur EPBD-Umsetzung: Politik, Marktaktivierung, Digitalisierung, Finanzierung, Monitoring, Gebäudebestandsdaten, Energieausweise, Smart Readiness, Renovierungspässe und Dateninteroperabilität.

Warum die EPBD für Österreich besonders relevant ist

Die neue EPBD stellt Österreich vor eine komplexe Umsetzungsaufgabe. Bund und Länder sind gemeinsam gefordert, zentrale Regelwerke, Datenbanken und Vollzugsstrukturen weiterzuentwickeln. Betroffen sind unter anderem Energieausweise, OIB-Richtlinien, Landesbauordnungen sowie nationale Monitoring- und Berichtssysteme.

Besonders relevant werden künftig ein stärker harmonisierter Energieausweis, eine einheitliche Skala von A bis G, strengere Anforderungen an Neubau und Sanierung, Nullemissionsgebäude, Solar- und Photovoltaik-Readiness, Ladeinfrastruktur, Gebäudeautomation, Renovierungspässe, Datenbanken und nationale Gebäuderenovierungspläne.

Innovationslabore als Umsetzungsbeschleuniger

Für RENOWAVE.AT bestätigten die beiden Tage zentrale Arbeitsschwerpunkte der letzten Jahre: Die Sanierungswende wird nicht allein durch technische Lösungen gelingen. Entscheidend sind skalierbare Prozesse, tragfähige Finanzierungsmodelle, nutzbare Daten, gute Kommunikation und funktionierende Umsetzungsstrukturen.

Innovationslabore können hier eine wichtige Brückenfunktion übernehmen. Sie verbinden Markt, Verwaltung, Forschung, Finanzierung und Gebäudeeigentümer:innen — und helfen dabei, Pilotprojekte in die Breite zu bringen.

RENOWAVE.AT zeigte anhand von Beispielen wie Meidlinger L, serieller Sanierung, Quartierssanierung, Begrünung, Verschattung und klimafitter Bestandsentwicklung, wie Umsetzung, soziale Innovation und Klimaanpassung zusammenwirken können.

Daten, Finanzierung und One-Stop-Shops als Schlüssel

Ein zentrales Thema war die Frage, wie Gebäudedaten künftig besser genutzt werden können. Für Österreich ist das besonders relevant, da unterschiedliche föderale Systeme und Energieausweis-Datenbanken besser miteinander verknüpft werden müssen. Ohne interoperable Daten werden Monitoring, Finanzierung, Renovierungspässe und EU-Berichtspflichten schwer umsetzbar.

Auch die Finanzierungsfrage stand im Mittelpunkt. Reine Zuschüsse werden nicht ausreichen, um die notwendige Sanierungsdynamik zu erreichen. Benötigt werden kombinierte Modelle aus Förderungen, Darlehen, Bankfinanzierung, Contracting, ESCO-Modellen, Impact Investing und sozial abgefederten Finanzierungen.

Eine zentrale Rolle spielen künftig auch One-Stop-Shops: Beratung, technische Planung, Förderabwicklung, Finanzierung und Umsetzungsbegleitung müssen stärker gebündelt werden. Für Österreich ergibt sich daraus die Aufgabe, One-Stop-Shops als integrierte Umsetzungsstruktur für Sanierungspfade, Finanzierung, Daten und Projektentwicklung weiterzuentwickeln.

Fazit

Die beiden Veranstaltungstage in Brüssel machten deutlich: Die EPBD ist nicht nur eine rechtliche Verpflichtung, sondern ein umfassendes Umsetzungsprogramm für die kommenden Jahre.

Für RENOWAVE.AT ergibt sich daraus eine große Chance, Erfahrungen aus Innovationslaboren, Pilotprojekten, serieller Sanierung, Finanzierung, Quartiersentwicklung und One-Stop-Shop-Ansätzen gezielt in die österreichische und europäische Sanierungsagenda einzubringen.

Entscheidend wird sein, aus guten Beispielen skalierbare Strukturen zu entwickeln und die Sanierungswende gemeinsam voranzubringen — damit aus europäischen Vorgaben konkrete Lösungen für den österreichischen Gebäudebestand werden.

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